Medikamentengabe bei Haustieren

Unsere Tipps für Tierbesitzer

Häufig stellen die verordneten Medikamente Hund, Katze und Halter vor kleine bis größere Schwierigkeiten. Die Tiere sind misstrauisch und die Verabreichung ist schwierig bis unmöglich. Leider werden deswegen manchmal die Medikamente nicht oder nicht richtig gegeben.

Um Schäden durch fehlerhafte Behandlung an Ihren Haustieren zu vermeiden, haben wir Ihnen Tipps zusammengestellt.

Gefahr durch Humanmedizin
Verwenden Sie niemals eigenmächtig Medikamente aus Ihrer eigenen Hausapotheke. Humanmedikamente wie Ibuprofen, Paracetamol oder Aspirin sind für Hunde und Katzen hochgradig giftig. Diese Wirkstoffe können zu akutem Nieren- und Leberversagen führen. Auch schwere Magenblutungen sind eine häufige Folge.
Wichtige Tierarzt-Rücksprache
Fragen Sie vor der ersten Eingabe immer Ihren Tierarzt, ob die Tablette verändert werden darf. Nicht alle Medikamente dürfen Sie zerkleinern. Tabletten mit magensaftresistentem Überzug oder sogenannte Retardkapseln dürfen nicht geteilt oder gemörsert werden. Die Wirkstofffreisetzung wird sonst beeinträchtigt und der Magen kann Schaden nehmen.
Tarnung im Futter und Knetmassen
Die einfachste Methode ist, die Medikamente in Nassfutter oder besonderen Leckerlies zu verstecken. Kleine Kügelchen aus Rinderhackfleisch, Stückchen von Wurst oder klebriger Käse eignen sich gut als Versteck. Manchmal hilft es, diese Fleischkügelchen kurz ins Gefrierfach zu legen. Sie sind dann stabiler beim Fressen. Prüfen Sie aber unbedingt immer nach, ob die Tablette auch wirklich gefressen wurde.
Alternativ können Sie eine knetbare Masse mit speziellen Aromastoffen erwerben. Diese Produkte sind unter Namen wie „Easy Pill“ oder „Pill Assist“ bekannt. Sie können die Tabletten vollständig in diese Masse einwickeln. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass das Tier den Fremdkörper nicht bemerkt.
Der Trojaner-Trick (1-2-3-Trick)
Bei misstrauischen Tieren hilft oft der Trojaner-Trick. Sie bereiten dafür drei separate, verlockende Futterbissen vor. Nur im zweiten Bissen ist das Medikament versteckt. Geben Sie den ersten Bissen zügig. Das Tier schluckt ihn gierig herunter. Sofort folgt der präparierte zweite Bissen. Reichen Sie direkt danach den dritten Bissen als Belohnung nach. Das Tier ist abgelenkt und schluckt den zweiten Happen meist ungekaut.
Zerkleinern und Gabe als Flüssigkeit
Oft können normale Tabletten zerkleinert oder mit dem Tablettenmörser pulverisiert werden. Das Pulver lässt sich einfacher in stark riechendem Nassfutter verstecken. Alternativ können Sie das Pulver mit etwas Wasser auflösen. Ziehen Sie die Flüssigkeit in eine Plastikspritze ohne Nadel auf. Die Verabreichung erfolgt dann direkt in das Maul.
Direkte Eingabe ins Maul und Griffe
Manchmal hilft nur die direkte Eingabe. Umfassen Sie bei einem Hund den Oberkiefer von oben. Drücken Sie die Lefzen sanft hinter den Fangzähnen nach innen. Der Hund öffnet das Maul. Legen Sie die Tablette so weit wie möglich hinten auf den Zungenrund. Schließen Sie das Maul und halten Sie es kurz sanft zu.
Bei einer Katze ist oft eine Fixierung nötig. Die Handtuch-Methode schützt Sie vor Kratzern. Wickeln Sie die Katze sanft aber bestimmt in ein großes Handtuch ein. Nur der Kopf schaut heraus. Umfassen Sie den Kopf mit einer Hand fest von oben am Jochbogen. Neigen Sie den Kopf leicht nach hinten. Der Unterkiefer klappt automatisch ein Stück nach unten.
Schluckreflex auslösen
Nachdem die Tablette im Maul platziert ist, müssen Sie den Schluckreflex auslösen. Halten Sie das Maul geschlossen. Streicheln Sie den Hals des Tieres sanft in Abwärtsrichtung. Alternativ hilft ein kurzes, leichtes Pusten auf die Nase des Tieres. Das Tier leckt sich danach die Nase. Das zeigt Ihnen den erfolgreichen Schluckvorgang an.
Tablettengeber als Applikator
Es gibt aus Kunststoff gefertigte Tabletteneingeber. Diese Applikatoren befördern die bittere Pille direkt bis in den Rachen. Ihre Finger kommen den Zähnen dabei nicht zu nah. Sie klemmen die Tablette in die weiche Spitze, führen das Rohr vorsichtig ein und betätigen den Kolben.

WICHTIG: nicht alle Medikamente dürfen zerkleinert werden! Unbedingt vorher den Tierarzt fragen!

Training im Welpenalter

Üben Sie solche Dinge schon im Welpenalter oder als vorsorgliches Medical Training.

  • Berührungen am Maul,
  • das Öffnen des Fangs und
  • das Halten des Kopfes sollten für das Tier normal sein.

Belohnen Sie jeden kleinen Schritt mit gesunden Leckerlies. Dazu gibt es auch großartige Bücher und DVDs.

Umgang mit Verweigerung

Sollten Sie es dauerhaft nicht schaffen, die Tabletten zu verabreichen, halten Sie bitte Rücksprache mit dem Tierarzt. Suchen Sie nach Alternativen. Oft gibt es denselben Wirkstoff als wohlschmeckende Kautablette, als Paste oder als Injektion beim Tierarzt. Nur durch eine passende Alternative kann die Behandlung erfolgreich weitergeführt werden.

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